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Dieser Blog ist ein Übersetzungsprojekt, das sich eigens mit den Gedichten Karl Kraus befasst ist, ein Österreichischer Journalist und Schriftsteller, der 1874-1936 lebte. Das Ziel dieses Projekts ist verschiedene Aspekte der Praxis der Übersetzung zu untersuchen, durch Übersetzungen einer Reihe von Gedichten desselben Autors.

Warum Kraus? Und warum ein Blog? Um die erste Frage zu beantworten, anfänglich wurde ich von Kraus angezogen, da er ein zentraler Anliegen mit Übersetzungstheoretikern teilt, eine Bessessenheit des Gebrauchs und der Implikationen der Sprache. Er ist für seine bissige Sprachkritik bekannt, und war der Meinung, dass die Qualität der Sprache ein Spiegel und ein entscheidender Faktor der Qualität des Lebens ist. Nachlässiger Gebrauch der Sprache war für ihn ein schweres Verbrechen. Wie Jens Fischer schreibt: „Die «Fackel» (Kraus’ Zeitschrift) ist sicherlich die Zeitschrift des 20. Jahrhunderts mit den geringsten Druckfehlerquoten. Kraus war ein verbissener Korrektor, der keinen Fehler durchgehen ließ und seine Drucker zur Verzweiflung brachte, wenn er wegen eines fehlenden Kommas die ganze Seite neu setzen ließ. (Fischer, 46) Glücklicherweise für mich kann er nicht meine Übersetzungen abreißen, aber ich wurde von der Aufgabe der Übersetzung von seiner Dichtung angezogen, denn die typische Fragen der Übersetzungswissenschaft – die verschiedene Elemente in einem Werk zu balancieren, das „Wichtige” herauszuziehen – scheinen interessanter wenn man weiß, dass jedes Wort und auch jedes Komma komplett beabsichtigt sind.

Ich interessiere mich auch für sein Werk, da er ein begabter Dichter war, aber auch einer, dessen Werke wenig ins Englische übergesetzt worden sind. Ein Hauptgrund dafür ist, dass seine art zu schreiben sehr tief in den Einzigartigkeiten der deutschen Sprache verwurzelt ist. Zu tief, sagen Manche, um bedeutungsvolle und vollständige Übersetzungen zu ermöglichen. Aber was ist eigentlich eine „vollständige“ Übersetzung?

Harry Zohn schreibt im Vorwort der ersten und bis heute einzigsten Sammlung von Kraus’s Gedichten auf Englisch: „The essential untranslatability of Karl Kraus has been axiomatic for so long that a breakthrough in this area seems overdue and highly desirable.“ (Zohn, 9) Seine Publikation In These Great Times, die 1976 veröffentlicht wurde, wurde als eben dieser Durchbruch beabsichtigt und die Übersetzungen darin sind für mich eine wichtige Inspiration und ein Model. Dennoch Zohn schreibt weiter: „[It] must be admitted that many of Kraus’s most powerful and characteristic writings are so wedded to the genius of the German language, so allusive in their style and so elusive in their arcane context, that no translation is possible.“ Dies ist Vielleicht wahr, meiner Meinung nach ist das abereine schwache Ausrede. Kraus lebte vor etwa 100 Jahren in Österreich. Sein Werk ist uns zeitlich, linguistisch und kulturell näher als das von Homer, Dante und Cervantes (ganz zu schweigen von Shakespeare!), aber die Werke dieser Autoren werden weltweit in Form ihrer Übersetzungen gelesen, auch wenn es arrogant bis absurd wäre zu behaupten, dass man alle Feinheiten verstehen würde, selbst wenn man sie in der Original Fassung lesen würde.

Kraus zu übersetzen ist somit vernünftig, beahaupte ich, denn wenn jegliche Übersetzung möglich ist, so sind es auch Kraus‘ Werke. Ich bestehe auf diesen Punkt, nicht weil ich denke, dass ich perfekte Übersetzungen von Kraus’ Gedichten erzeugt habe oder erzeugen könnte, sondern weil ich denke, dass übersetzungen sinvolle ist, auch wenn sie fern von Perfektion sind. Die Frage der Übersetzbarkeit soll nicht im Weg ernsthafter Versuche stehen, wertvolle Werkein einer anderen Sprache und somit einem größeren Publikum Verfügung zu stellen. Eine ehrliche Übersetzung versucht das Werk so gut wie möglich darzustellen, im Bewusstsein, dass einige Elemente kompromittiert werden, aber mit der Hoffnung, dass mindestens ein Teil von dem Wert des Originals vermittelt wird, und vielleicht auch, dass die Übersetzung eines Werkes seinen eigenen Wert entwickeln wird.

Ich möchte anmerken, dass obwohl ich hoffe, dass die hier vorgelegter Übersetzungen gut und verständlich sind, gut und lesbar sind, sie mindest teilweise ein Experiment sind. Übersetzungen von Kraus‘ Werk sind bisheute rar, und meine Übersetzungen sind eine Weise, die Fragen der Übersetzung – im Allgemeinen und im Bezug zu Kraus – durchzudenken. Wie Friedrich Schleiermacher schreibt: „manches glänzt anfangs, was hernach von besserem überboten wird.“ (Schleiermacher, 69) Ich denke nicht notwendigerweise, dass meine Übersetzungen jetzt glänzen, aber es würde mich freuen, wenn sie „von besserem überboten wird.“ Es soll auch beachtet werden, dass ich keinen allumfassenden Stil habe, sondern ich diese fünf Gedichte ausgewählt habe, um mit einer verschiedener Herangehensweisen zu experimentieren. Gleichzeitg, obwohl ich keine vereinigte Methodologie habe, gibt es eine Auswahl an Perspektiven, die meinen Werk beeinflussen.

Jetzt behandeln wir die zweite Frage: Warum ein Blog? Es ist eine andere Art, mit den Rändern der Übersetzung herumzuspielen. Jeder hat Marshall McLuhans Sprichwort „the medium is the message“ gehört. Obwohl ich diese Äußerung nicht komplett wahr finde, denke ich trotzdem, dass der Gebrauch eines Mediums, wie zum Beispiel ein Blog, helfen kann Übersetzung ins rechte Licht zu rücken. Wörter und Sprachen sind nicht die einzigen Faktoren, die die Interpretation eines Werks beeinflussen. Ich will Aufmerksamkeit auf den Fakt ziehen, dass Übersetzung viel mehr als ein Wechsel von Wörtern ist. Zentrale Fragen der Medientheorie, wie Urheberschaft und Reproduktion sind wichtig für ein Verständnis von der Rolle und der Bedeutung einer Übersetzung.

Ein Blog ist auch ein praktisches Medium für die Übersetzung. Es bietet eine flexible Art und Weise, das Material zu organisieren und die Übersetzungen und Kommentare direkt zu verlinken, so dass man auf die Kommentare zugreifen kann, während man liest. Diese Struktur könnte innovativ und zugänglich sein, aber vielleicht auch ablenkend, wie so viel, was digital ist. Dies herauszufinden ist ein Teil des Experiments. Weil ich versucht habe, ein bisschen spielerisch zu sein, ist es vielleicht schwierig zu bestimmen, ob das Experiment „erfolgreich“ ist. Ich würde sagen, dass ein Experiment erfolgreich ist, wenn man etwas sinnvoll lernt. Das trifft auf mich zu, und hoffentlich bringt das Lesen den Lesern auch ein Paar sinnvolle Einsichten.

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